Verkannte Gefahr "Elektrosmog"

2450 MHz

Ulrich Warnke, Universität des Saarlandes, warnke@mx.uni-saarland.de
Stand: Februar 1999

  • IRPA-Grenzwert der Leistungsdichte:

30-300 MHz: 0,2 mW/cm2 (2 W/m2); beruflich 1 mW/cm2 und
2-300 GHz: 1 mW/cm2 (= 1000µW/cm2 oder 10 W/m2); beruflich 5 mW/cm2 (Rußland früher: 300 MHz-300 GHz 5µW/cm2)

Aufgrund des „Wärmekriteriums“ sind folgende Werte verbindlich:

  • Ganzkörperbelastung der allgemeinen Bevölkerung: 0.08 W/kg, gemittelt über den ganzen Körper sowie über 6-Minuten-Intervalle
  • Kopf, Nacken, Hals: 1,60 W/kg durchschnittlich über jedes 1g Gewebe
  • Extremitäten: 4 W/kg durchschnittlich über jede 10g der Gewebe

Das Folgende ist zitiert aus: Robert P. Liburdy, 1994 in Ho, Popp, Warnke (Ed.): Bioelectrodynamics and Biocommunication, World Scientific, Singapore, New Jersey, London, HongKong:

Permeabilitätserhöhung von Zellmembranen
Sechs unabhängige Laboratorien haben einzeln folgendes gleiches Ergebnis erzielt.
Bei Erythrozyten mit Bestrahlung 2450 MHz, 0-100 mW/kg SAR ist die Na+ - Permeabilität der Membran gesteigert. Der Influx nimmt in Abhängigkeit der Temperatur zu. Optimum 17 - 19,5 °C (Phasen Transition der Membran Struktur).


Der Effekt ist:

  • linear mit Feldstärke 0-600 V/m
  • reversibel,
  • verstärkt bei erhöhtem Sauerstoff,
  • reduziert bei Präsenz von Antioxidantien Ascorbinsäure und b-Mercaptoethanol (Quencher von Freien Radikalen)

Proteinbindung an Zelloberflächen
Bei Bestrahlung mit 2450 MHz, 60 mW/Kg, 30 Minuten lösen sich die Proteine doppelt so häufig gegenüber der Kontrolle von der Zelloberfläche (normalerweise gebunden durch van der Waal - Kräfte und elektrostatische Kationen - Bindungen).

Proteinanlagerungen sind notwendig für Signaltransfer in die Zelle für Funktionsgleichgewicht.


Der Effekt wird vergrößert durch:

  • erhöhte Sauerstoffzufuhr (Hyperoxie)
  • erniedrigte Sauerstoffzufuhr (Hypoxie)
  • erhöhten Freier Radikal - Level
  • spezifische Temperatur

Ursache: Kationen - Brücken (Ca++ ) werden durch die Mikrowelle destabilisiert.
Es wird spekuliert, daß auch die DNA betroffen ist und die Proteinsynthese.

Lymphozyten-Versuche
90 Minuten Mikrowelleneinfluß bei 37°C und 7 mW/kg erhöht den passiven Na+ - Influx in die Zellen 1,6 - 2-fach. Die aktive Pumpe an der Zellmembran, die Na+ normalerweise wieder herauspumpen muß, ist gleichzeitig gehemmt. Die Zelle wird mit Na+ überladen, dies zieht zwangsweise Wasser nach sich.
2500 MHZ, 0,117 mW/kg bewirkt eine Unterbrechung der Verbindung von gebundenen polyclonalen Anti-IgG von dem Ig Rezeptor.

Zu dem Thema Wirkungen von Hochfrequenz auf biologische Systeme gibt es eine neuere zusammenfassende Veröffentlichung der Royal Society of Canada vom März 1999 „A Review of the Potential Health Risks of Radiofrequency Fields from Wireless Telecommunication Devices“.

Hier sind nur Ergebnisse referiert, die im Bereich der Wellenlängen des angeführten Kommunikationsfunks liegen:

  • Spurenelemente im Blut
    Beeinflussung bei 10µW/cm2, 2,375 MHz, 8 Stunden täglich über 3 Monate.
  • Zellproliferation
    2450 MHz bei 5-50 W/kg und 2 Stunden Bestrahlung für 1-5 Tage.
  • Blut-Gehirn-Schranke
    2450 MHz, 100 W/m2 bewirkt beim Chinesischen Hamster eine Erhöhung der Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke. Auch bei 1300 MHz. 30 W/m2 ist die Schranke defekt, auch 1 W/m2 und geringer ist effektiv. Die Ergebnisse sind nicht einheitlich.
  • Verhaltensänderungen
    Bei Kaninchen im Einfluß 2450 MHz mit 5 mW/cm2 für 90 Tage wird weniger Futter aufgenommen. Bei Ratten ist das Lernverhalten beeinflußt in Feldern 2450 MHz, 0,5 mW/cm2, 7 Stunden/Tag für 90 Tage exponiert.
  • Tumorgenese
    Mäuse in 2450 MHz - Feld mit 5-15 mW/cm2 2 Stunden/Tag, 6 Tage/Woche zeigen erhöhte Tumorrate bei Brustkrebs. Die Überlebensrate ist verkürzt. Bei Kontakt mit 3,4 Benzopyren entsteht unter Bestrahlung mehr Hautkrebs bei 220 Tagen Exposition mit 5 mW/cm2 und 121 Tagen mit 15 mW/cm2, 2 Stunden/Tag, 6 Tage/Woche. SAR lag bei 8 W/kg..
    DNA-Zerstörungen und Mutationen werden in mehreren anderen Untersuchungen bei 10-50 W/m2 ebenfalls gefunden. Einzelne Versuchsergebnisse zeigen die Zerstörung bereits bei 1mW/cm2, 2Stunden/Tag, 120-200 Tage und bei 0,6 W/kg für 2 Stunden.
  • Neurologische Effekte
    2450 MHz, 15 W/kg, 30 Minuten: angeschwollene Neurone im Hypothalamus und Subthalamus bei Chinesischen Hamstern.
    Ebenfalls geschwollene Neurone und degenerative Purkinje Zellen ergeben sich bei Ratten mit 3,4 W/kg, 21 Stunden/Tag für 5 Tage. In anderen Versuchen fand man Beeinflussung von Glioma Zellen.
    Der Neurotransmitter Azetylcholin (verantwortlich für Intellekt) verringert sich bei gepulsten 3000 MHz, und Noradrenalin ist gesteigert bei 2375 MHz, 5mW/cm2, während 10 mW/cm2 2450 im Hypothalamus Noradrenalin absinken läßt. Die dazugehörigen Enzyme zeigen ebenfalls Beeinflussung.
    Die Membran - Leitfähigkeit und spontane elektrische Aktivität ist bei 2450 MHz in einigen Gehirnzentren gesteigert, in anderen depressiert.
  • Energiehaushalt
    2450 MHz, amplitudenmoduliert, 1,64 W/kg: ADP senkt sich ab und NADH steigt an. Ergebnis ist bestätigt für Gehirn bei 1mW/cm2, 60 Tage Exposition bei Ratten. Auch Einlagerungen in Schutzsubstanzen von Membranen wie in Phosphoinosit in Rattengehirn bei 2800 MHz, gepulsed 1-30W/kg werden gemessen, ebenso Beeinflussung des Ca++ - Haushalts.

Summary
Es gibt viele Untersuchungsergebnisse, die eine Beeinflussung des Organismus im Bereich von 2400 MHz-Feldern zeigen, auch unterhalb der thermisch festgesetzten Grenzwerte.

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