Verkannte Gefahr "Elektrosmog" - Medien

DEPRESSION! Technologiesektor kapituliert:
Produktion macht dicht!

Die Federal Reserve ist ratlos. Sechs Zinssenkungen in Folge verpufften wirkungslos. Die Aktienkurse der führenden Technologieunternehmen liegen im Durchschnitt immer noch um 60 % unter ihrem Vorjahresstand, nicht selten sogar um mehr als 90 %. Bei den Investitionen des Unternehmenssektor herrscht trotz des billigen Geldes weiterhin Flaute. Und die Gewinne sind im zweiten Quartal noch stärker eingebrochen als im ersten Quartal. Zugleich starben die Hoffnungen auf Besserung im Jahresverlauf. Ausdruck der um sich greifenden Verzweiflung in den Vorstandsetagen ist die Serie von Kapitulationserklärungen führender Unternehmen sowohl im Technologiesektor wie bei der traditionellen Industrie. Jetzt geht es nicht mehr allein um die Entlassung mehrerer Tausend Mitarbeiter, sondern um die Schließung ganzer Fabriken oder sogar der vollständigen Aufgabe von Unternehmensbereichen.

So erklärte der niederländische Elektronikkonzern Phillips am 26. Juni, nach Verlusten von 3 Mrd. DM in der Mobilfunksparte ab sofort ganz aus der Produktion auszusteigen. Zwar soll es auch in Zukunft Handys Marke Phillips geben,. Aber die Herstellung überlässt man dem Unternehmen China Electronics Corporation, während die Fertigungsstätten in Europa mit gegenwärtig rund 2.800 Beschäftigten dicht gemacht werden. Zuvor hatten bereits Ericsson in Schweden und Alcatel in Frankreich die Aufgabe der eigenen Produktion von Mobiltelefonen angekündigt.

Einen Tag zuvor teilte der weltweit drittgrößte Computerhersteller Compaq mit, die Produktion eigener Chips einzustellen und die entsprechende Technologie an Intel zu verkaufen. Infolge des stark eingebrochenen Marktes sowohl für die Computer wie für Chips sei eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens erforderlich geworden. Am 28. Juni erklärte der Software- und Computerhersteller VA-LINUX-Systems den vollständigen Rückzug aus der Produktion von Computern und deshalb die Kündigung von einem Drittel der Belegschaft. Der Herausgeber des LINUX Betriebssystems war Ende 1999 euphorisch an den amerikanischen Börsen gefeiert worden. Inzwischen ist der Aktienkurs auf 2,5 Dollar, daß heißt weniger mehr als ein Hundertstel des damaligen Wertes von 243 Dollar abgestürzt.

Die wohl schockierendste Meldung lieferte der französische Elektronikkonzern Alcatel. Um „Kosten zu sparen“ sollen bis zum Ende des nächsten Jahres von den 120 Produktionsstätten des Unternehmens, bei denen derzeit insgesamt 120.000 Personen beschäftigt sind, sage und schreibe 90 % verkauft bzw. stillgelegt werden.

Die spektakuläre Strategie der Umwandlung von Alcatel in einen „Konzern ohne Fabriken“ offenbarte Alcatel-Chef Serge Tehuruk völlig überraschend am 26. 6. in einem Interview mit dem Wall Street Journal Europe, nachdem Ende Mai lediglich der Ausstieg aus der Handyproduktion verkündet worden war. Die Entscheidung wirft ein Schlaglicht auf die katastrophale Lage des weltweiten Marktes für Telekomausrüstungen, die durch die extrem hohe Verschuldung und desolate Finanzlage der großen Telekomunternehmen hervorgerufen wurde. Allein im Verlaufe dieses Jahres ist der Aktienkurs von Alcatel um 61 % gefallen und die Verluste im zweiten Quartal werden rund 6 Mrd. DM betragen. Der französische Industrieminister Christian Perret verglich die Alcatel Ankündigung mit der „Explosion einer Bombe“.

Natürlich hagelt es zugleich an 2gewöhnlichen“ Schreckensnachrichten von Technologieunternehmen. Die ausstehenden Schulden des finanziell stark angeschlagenen Lucent Technologies wurden am 27. 6. von den beiden Ratingagenturen Moodys und Fitch auf „Ramsch“-Status heruntergestuft. Das Unternehmen will statt der bereits angekündigten 16.000 weitere 10.000 Arbeitsplätze streichen. Der Glasfaserspezialist JDS-Uniphase hat angekündigt, daß der im April bereits beschlossene Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen bei weitem nicht ausreiche und in Kürze eine neue Entscheidung präsentiert werden müsse. Nokia wird noch einmal 1000 Arbeitsplätze streichen, Level 3 Communications 1.400 Arbeitsplätze, d. h. ein Viertel der Belegschaft. Die mit 3 Mrd. Dollar verschuldete Internet-Provider Exodus Communications, einer der größten der Welt, MACHT SEINEM Namen alle Ehre und verlor Mitte Juni an 4 Handelstagen hintereinander jeweils mehr als 20 % seines Aktienwertes, seit Jahresbeginn insgesamt 92 %. Exodus Vorstandschefin Ellen Hancock erklärte, man heiße jedes Übernahmeangebot willkommen. Einen weltweiten Schock an den Technologiebörsen löst am 26. 6. auch die Meldung des französischen Computer- und Software Beraters Cap Gemini aus, man werde aufgrund der extrem schwachen nachfrage 2.700 Arbeitsplätze streichen.

Chipsektor in Not
Ein Spiegelbild der Verheerungen, die das Platzen der „New Economy“ - Illusionen hervorgerufen hat, bildet der weltweite Chipsektor. Schließlich befinden sich Chips heute nicht nur in Computern und Handys, sondern in unzähligen anderen Produkten, insbesondere der Technologieunternehmen. Im April hatte der Semiconductor Industry Association (SIA) einen weltweiten Umsatzrückgang um 14 % für dieses Jahr prognostiziert: Seither hat sich die Lage aber noch wesentlich verschlechtert. Inzwischen wird der diesjährige Einbruch der globalen Chipproduktion schon auf den doppelten Betrag, auf 28 % eingeschätzt. Der größte japanische Chiphersteller Toshiba Corp. will deswegen zwei Chipfabriken im Juli und August vorübergehend stilllegen. Das US-Unternehmen Transmeta, das Chips für Noteboook-Computer entwirft und hauptsächlich nach Japan verkauft meldete am 20. 6. einen Rückgang der Quartalsverkäufe um 45 %, worauf der Aktienkurs am nächsten Tag um 57 % einbrach. Bei Phillips, das ja nicht nur Handys produziert (e), schrumpfte der Umsatz im Halbleitergeschäft auf 25 % und die Kapazitätsauslastung auf 40 %. Bei der globalen Produktion von Speicherchips droht das Jahr 2001 mit einem Umsatzrückgang von 56 % - so die neuste Schätzung von Gartner - Dataquest - sogar das Schlimmste aller Zeiten zu werden. Die Preise für 64 Megabyte DRAM-Chips sind von 9 Dollar im letzten Sommer auf nunmehr einen Dollar abgestürzt und befinden sich damit bei rund einem Drittel der Produktionskosten. Diejenigen, die noch nicht das Handtuch geworfen haben - die weltweiten Marktführer Micron-Technologie in den USA und Samsung und Hynix in Südkorea sowie die Siemens-Tochter Infineon - produzieren einstweilen auf Halde und schreiben riesige Verluste. Infineon-Chef Ulrich Schumacher, der noch im März erklärt hatte, das Schlimmste sei überstanden, musste sich angesichts einer Lawine von Auftragsstornierungen und weiter kollabierender Chippreise korrigieren, was nicht ohne Folgen für den Infineon Aktienkurs blieb. Micron Technology gab bekannt, der Umsatz des Unternehmens habe sich im zweiten Quartal fast halbiert (-47%).

Daß auch die hergebrachten Industriesparten vom Wettersturz in der Weltwirtschaft erfasst wurden, beweist dieser Tage der Chemiesektor. Neben schrumpfender Nachfrage muß hier zugleich die dramatische Preisinflation bei Energie und verschlechterten Rohprodukten verkraftet werden. Am 21. Juni verkündete die BASF AG, man sehe nicht das geringste Anzeichen für Besserung im nächsten Quartal, weder in Europa noch in den USA, und werde deshalb zehn Fabriken weltweit schließen und bei 14 weiteren Fabriken die Produktion herunterfahren.

Lothar Komp
Aus Neue Solidarität
Bahnstraße 9 a, 65205 Wiesbaden


zurück zur Übersicht

 
© by Wissenschaft unzensiert, 2002