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Verkannte
Gefahr "Elektrosmog" - Leser
Bundesamt für Strahlenschutz warnt:
Kinder von Handys generell fernhalten
BfS-Präsident
König über Gesundheitsrisiken des Mobilfunks und die Aufklärung
durch die Industrie
Wolfram
König (Grüne) ist seit 1999 Präsident des Bundesamtes
für Strahlenschutz (BfS). Vor seiner Ernennung zum Behördenchef
durch Bundesumweltminister Jürgen Trittin war König von
1994 bis 1998 Staatssekretär im grün-geführten Umweltministerium
Sachsen-Anhalts und zuletzt Professor an der Universität Kassel.
Herr
König, lassen Sie ihr Handy beim Autofahren eingeschaltet?
Wenn
möglich, schalte ich es ab. Zum Glück hat mein Dienstwagen
eine Außenantenne. Die Karosserie eines Autos wirkt nämlich
wie eine Barriere für Funkverbindungen. Damit sie überwunden
wird, steigern Handys automatisch ihre Sendeleistung. Gerade dieser
erhöhten Strahlenbelastung sollte man sich möglichst nicht
aussetzen.
Haben
Sie Angst, Mobilfunkstrahlung könnte Krebs auslösen?
Nein.
Wenn ich aber längere Zeit in einem Auto ohne Außenantenne
telefoniere, fühle ich mich unwohl.
Es
ist also keine Panikmache, wenn Bürgerinitiativen vor möglichen
gesundheitlichen Schäden durch Handystrahlung warnen?
Es
gibt derzeit keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass mobil
telefonieren Gesundheitsgefahren in sich birgt. Die gültigen
Grenzwerte sind ausreichend, um nachgewiesene Gefahren zu vermeiden.
Es ist dennoch richtig, sich über Risiken möglichst frühzeitig
Gedanken zu machen. Schließlich reagieren manche Menschen
auf Strahlungsquellen sehr empfindlich. Zudem haben wir immer noch
viel Unsicherheit in der wissenschaftlichen Bewertung, wenn es um
mögliche gesundheitliche Gefahren von hoch frequenter elektromagnetischer
Strahlung geht.
Welche
Anhaltspunkte gibt es denn dafür, dass Handy-Strahlung gefährlich
sein könnte?
Es
gibt thermische Wirkungen, die belegt und bekannt sind. Und es gibt
weitere biologische Effekte. Zum Beispiel wurden veränderte
Hirnströme beobachtet. Auch eine gestiegene Durchlässigkeit
der Blut-Hirn-Schranke führen einzelne Forscher auf Handys
zurück.
Können
solche Effekte zu Augen-, Lymphdrüsen- oder Blutkrebs und anderen
Krankheiten führen, wie Kritiker befürchten?
Solche
Fragen müssen dringend beantwortet werden. Wir haben im Juni
ein erweitertes Forschungsprogramm unter anderem zu Wirkungsmechanismen
und zur Messung hoch frequenter Strahlung gestartet, an dem Wissenschaft,
Umweltverbände sowie die Vertreter von Ländern und Industrie
gemeinsam mitwirken sollen. Wir sollten aber aus Gründen der
Vorsorge schon jetzt damit anfangen, alle vermeidbaren Strahlenbelastungen
auszuschließen. Schließlich möchte ich verhindern,
dass uns in zehn Jahren vorgeworfen wird, wir hätten trotz
Hinweisen auf mögliche Risiken nur nach den ökonomischen
Interessen der Mobilfunkindustrie entschieden.
Mit
welchen Maßnahmen wollen Sie denn vorsorgen?
Durch
die Festlegung bestimmter technischer Standards sowie einer umfassenden
Aufklärung der Bevölkerung. Es wird ja heute meist gegen
neue Mobilfunksender protestiert. Dabei trägt zur Strahlenexposition
entscheidend das Handy selbst bei. Das sendet zwar mit geringerer
Leistung, aber direkt am Ohr.
Masten
strahlen aber dauernd!
Deshalb
muss es zu mehr Information vor dem Aufstellen von Mobilfunksendern
kommen. Die Bevölkerung ist sensibler geworden. Die rund 40
000 Sendestationen, die für die neuen UMTS-Mobilfunknetze hinzukommen,
werden nicht mehr widerspruchslos hingenommen. Die Menschen wollen
vorher wissen, welche Risiken damit verbunden sein können.
Was
schlagen Sie vor?
Es
geht vor allem darum, Transparenz herzustellen. Dazu gehört,
dass jedes Handy einen Hinweis zur Strahlenbelastung erhält.
Reicht
es, diesen Hinweis auf die Verpackung zu drucken?
Mir
erscheint es sinnvoller, die Kennzeichnung auch auf den Geräten
selber anzugeben. In Sachen Sendeanlagen haben die Netzbetreiber
zu spät erkannt, welche Diskussion durch die Installation vieler
Masten losgetreten wurde. Die Industrie hätte viel früher
- so wie es jetzt endlich vereinbart wurde - die Kommunen in die
Standort-Festlegung einbinden müssen.
Das
klingt nach institutionalisierten Genehmigungsverfahren wie beim
Atomkraftwerksbau.
Nein.
Man muss so etwas nicht gesetzlich regeln. Es können auch freiwillige
Verfahren sein, die allerdings bei Nichtachtung vorher festgelegter
Standards zu Konsequenzen für die Mobilfunkfirmen führen
müssen. Auf jeden Fall muss Transparenz für die Menschen
geschaffen werden. Das ist versäumt worden und führt nun
dazu, dass die Konzerne mit einem riesigen Aufwand entstandenen
Ängsten begegnen müssen.
Wenn
jetzt neben Ihrem Haus ein Mobilfunksender errichtet werden soll:
Was würden Sie tun?
Wie
jede Privatperson würde ich alles daran setzen, Informationen
über die Sendeleistung vom Betreiber der Anlage zu erhalten.
Danach würde ich mir meine Meinung bilden. Dafür müssen
vereinfachte Informationszugänge geschaffen werden.
Die
beste Vorsorge ist immer noch der Widerspruch gegen eine solche
Anlage.
Viele
Betroffene gehen gegen diese Anlagen vor. Deswegen ist es ja auch
für die Netzbetreiber so wichtig, mit den Kommunen vorab über
den besten Standort zu diskutieren. Standortentscheidungen dürfen
sich künftig nicht mehr allein an den ökonomischen Interessen
der Industrie ausrichten. Zudem halte ich es unbedingt für
erforderlich, dass bestimmte Standorte vermieden werden.
Welche?
Ich
halte es für notwendig, Standorte zu vermeiden, die bei Kindergärten,
Schulen und Krankenhäusern zu erhöhten Feldern führen.
Sind
denn Kinder besonders gefährdet?
Kinder
befinden sich noch in der Wachstumsphase und reagieren deshalb gesundheitlich
empfindlicher. Wir haben hier eine besondere Verpflichtung zur Vorsorge.
Ich halte es deshalb auch für dringend erforderlich, dass die
Mobilfunknetzbetreiber ihre Marketingstrategien überprüfen,
mit denen sie gerade Kinder als Kunden gewinnen wollen. Ich glaube,
die Unternehmen könnten dauerhaft mehr Kunden binden, wenn
sie etwa die Empfehlung aussprächen, dass Kinder unter 16 Jahren
möglichst wenig mit Handys telefonieren sollten.
Solchen
Empfehlungen wird die Industrie kaum folgen!
Die
Glaubwürdigkeit der Mobilfunkindustrie wird maßgeblich
davon abhängen, ob es gelingt, die Sorgen der Bevölkerung
ernst zu nehmen und die Kritiker stärker einzubinden. Dazu
ist es wichtig, dass die Industrie Mittel für unabhängige
Forschung bereitstellt und die Information über potenzielle
Risiken unabhängigen Stellen überträgt.
Moralische
Appelle sind ja immer schön anzuhören. Aber welche Druckmittel
haben Sie?
Druckmittel
muss die Politik bereitstellen. Die Bundesregierung diskutiert ja
bereits über eine Novellierung der Bundesimmissionsschutz-Verordnung.
Im Übrigen werden die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen ständig
mit diesen Problemen konfrontiert.
Ihr
Amt ist dem Bundesumweltministerium unterstellt. Hat Minister Jürgen
Trittin nicht schon einen Anruf von seinem Kabinettskollegen Hans
Eichel erhalten? Schließlich hat der Bundesfinanzminister
100 Milliarden Mark für die UMTS-Mobilfunk-Lizenzen kassiert.
Dass die Netzbetreiber nun neue Auflagen akzeptieren, ist da kaum
vorstellbar!
Mit
dem Verkauf der Lizenzen sind die Netzbetreiber nicht von ihrer
Verpflichtung entbunden, eine risikoarme Technologie zu verwirklichen.
Welche
Schutzmaßnahmen empfehlen Sie Handynutzern?
Generell
Telefonate mit dem Handy möglichst kurz halten. Autofahrern
würde ich dringend raten, in Wagen ohne Außenantenne
ganz aufs Telefonieren zu verzichten. Zudem sollten Eltern ihre
Kinder möglichst von dieser Technologie fern halten.
Nichtraucher
werden immer vor den Gefahren des Passivrauchens gewarnt. Gibt es
das bei Handys auch? Sollten etwa Restaurants Handy-freie Zonen
einrichten?
Allein
aus Gründen der Lebensqualität und des Genusses würde
ich das dringend empfehlen.
Das Gespräch führten Hendrik Munsberg und Thomas H. Wendel
www.berlinonline.de/aktuelles/berliner_zeitung/wirtschaft/.html/61589.html
Kommentar
Wer weiß, daß nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene
mit Frequenzbereichen der Radarortung des 2. Weltkrieges telefonieren,
wird sich zukünftig überlegen, ob überhaupt oder
wie häufig er zukünftig mobil telefonieren wird.
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