Verkannte Gefahr "Elektrosmog" - Leser

Angst vor Mobilfunk: Familie zog in den Keller
Kölnische Rundschau, Pfingsten 2001, RES 01A/1

Bürgerwelle Eifel sieht Zusammenhang zwischen Sendemasten und Krebserkrankungen - Fünfköpfige Zingsheimer Familie leidet an Tinnitus

 

Gerd Ernst Zesar, Jürgen Lutsch und Prof. Dr. Alexander Volger machen auf Strahlenbelastungen aufmerksam - Von Oliver Geschwind

Kall. Die immer wieder aufflammende Diskussion um die Aufstellung von Mobilfunkmasten zeigt deutlich die Verunsicherung, die bei vielen Bürgern herrscht. Sind gesundheitliche Gefahren durch Handy-Wellen wirklich ausgeschlossen, wie es die Mobilfunkbetreiber immer wieder versichern? Da gehen auch die Expertenmeinungen auseinander. Befürworter und Gegner können gleichermaßen auf ein reichhaltiges Sortiment an Gutachten und Expertisen zurückgreifen.

Die Aktivisten der Bürgerwelle Eifel haben indesssen keinen Zweifel mehr daran, dass von den Sendemasten gesundheitliche Gefährdungen ausgehen. Am Donnerstagabend präsentierten Gerd Ernst Zesar und der Kaller Apotheker Jürgen Lutsch einige „Fallbeispiele“

In denen sie direkte Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und der Errichtung von Mobilfunksendeanlagen sehen.

Dabei handelt es sich um eine Frau und dessen Sohn aus Zingsheim, die 1999 durch den Krebstod des Familienvaters stutzig wurde und in der Nachbarschaft nach weiteren Fällen suchten. Tatsächlich seien seit 1995 sechs Anwohner in einer Straße an Krebs erkrankt. 1995, so die Beobachtung der Familie, sei auch der erste von heute drei Mobilfunksendern im Ort in Betrieb gegangen. Mittlerweile ist auch der 23-jährige Sohn an Hodenkrebs erkrankt. Auch eine andere Zingsheimerin sieht Zusammenhänge zwischen gesundheitlichen Problemen und Mobilfunk. Aus diesem Grund ist die junge Mutter mit ihrer Familie in den Keller ihres Hauses gezogen. Vor acht Jahren kaufte sie mit ihrem Mann das Haus. Bis dahin waren sie seltener Gast bei Ärzten und Apothekern.

Seit gut einem Jahr aber leiden alle fünf Familienmitglieder, darunter auch drei Kinder, an Tinnitus, einem nervenaufreibenden Klingelton im Ohr. Hinzu, so erklärt die Mutter, kommen weitere Symptome von der einfachen Hautrötung über ständige Tagesmüdigkeit bis hin zu Migräneattacken. Apotheker weiß von vielen Fällen

Gerd Ernst Zesar, der bei der Familie Messungen durchführte, bestärkte die Familie in deren Vermutung, dass ihr haus in Sichtweite eines Sendemastes belastet sei. Gemäß Zesars Messapparatur ist das Haus der Familie einer Belastung ausgesetzt, wie sie auch von einem sendenden Handy im Abstand im Abstand von einigen Zentimetern auf dem Messgerät verursache. Diese Fälle Seien aber nur die spitze des Eisberges, erklärte Apotheker Lutsch. Er habe zahlreiche Kunden, die unter unerklärlichen Krankheitssymptomen litten, für die es keine organische Erklärung gebe. Meist würden diese Menschen in psychologische Behandlung überwiesen, obwohl die Ursache an ganz anderer Stelle zu suchen sei. So ließen Bluthochdruck und Herzrasen oft sofort nach, sobald die Patienten durch den Besuch in einer Fachklinik ohne unmittelbare Nachbarschaft zu Sendemasten, durchführten. Viele Betroffene seien inzwischen sogar so stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, dass sie über den Verkauf ihrer Häuser nachdächten. Doch an die Öffentlichkeit wollten sie nicht gehen, da sie den Preisverfall beim Verkauf befürchteten.

Das Problem der Sendeanlagen, so erklärt die Bürgerinitiative, liege nicht in der Intensität der Strahlung, die hierzulande um das 5 - 10.000 fache der erlaubten Grenzwerte unterschritten werde. Bedenklich sei vielmehr die (techn. periodische) Pulsung. Eine solche Strahlung kommt in der natur nicht vor, die Wirkungen auf Zellen sei gänzlich unerforscht.

An diesr Stelle müsse man ansetzen, erklärte am Donnerstag in Kall Prof. Dr. Ing. Alexander Volger. ER forderte eine Art Unbedenklichkeitsprüfung. Seiner Meinung nach hätten die Mobilfunkbetreiber eine Art „007-Lizenz zum Senden“ bekommen, ohne jemals einen Nachweis geführt zu haben, dass die Strahlen wirklich unbedenklich sind. Zesar geht ei seinen Messungen von Summenstörspannungen aus. Er Mißt die Summe des Elektrosmogs, dem Menschen ausgesetzt sind. Der Mobilfunk sei nämlich nicht der einzige Verursacher von Strahlungen, oftmals seien die Probleme auch „hausgemacht“. Den Einsatz schnurloser Telefone hält Zesar ebenfalls für bedenklich, da diese Geräte im Hochfrequenzband arbeiteten. Zesar (02441-6049) und Lutsch (02441-4322), bieten Betroffenen unentgeltlich Rat an oder führen Messungen vor Ort durch. Informationen könnten auch im Internet abgerufen werden: www.e-smog.ch


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