Neue Medizin
[Rückgrad]

Wer die Gesundheit gefährdet, ist ein Verbrecher

Was meine Damen und Herren Minister werden sie in Sachen Mobilfunk unternehmen?
Margarete Schreinemakers mutiger Auftritt im ZDF

TZ 13. 1. 2001, Seite 9

Kontrovers diskutieren lautet das Konzept der ZDF-Sendung "Berlin Mitte" mit Maybrit Ilner. Die Runde am letzten Donnerstag ließ erwarten, daß sie diesem Motto entsprach: Die Grüne Bärbel Höhn war geladen, die seit Jahren für eine Landwirtschafts- und Verbraucherpolitik kämpft, die das BSE-Risiko mindert. In Wilhelm Niemeyer, dem Bauernverbands Vizepräsidenten, hatte sie ihren Gegenspieler. Außerdem anwesend: CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer und SPD-Fraktionschef Peter Struck. Der aufrüttelnste Beitrag kam aber von einer fünften Person, der sonst auf vier Prominente beschränkten Gesprächsrunde: Margarete Schreinemakers. In ihrer Sendung war die BSE-Problematik bereits vor fünf Jahren dargestellt worden! "Der Beitrag könnte heute wieder gesendet werden. Denn nichts hat sich geändert", empörte sie sich.

In einem leidenschaftlichen Beitrag las sie den Politikern die Leviten, wie es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bisher kaum jemand tat. Lesen Sie selbst:

"Der Zusammenhang von BSE und Creutzfeld-Jacob, war zu diesem Zeitpunkt wissenschaftlich erwiesen. Wir hatten Mikrobiologen bei uns und hatten jede Menge handfestes Material. Frau Höhn war sozusagen Stammgast. Vor zwei bis drei Jahren hatten wir uns also häufig gesehen. Wir hatten sogar Papiere aus dem britischen Landwirtschaftsamt. Danach durfte ein Rind, zweieinhalb Jahre alt, ein Schlachttier, das ja damals der Dringlichkeitsverordnung von Seehofer unterlag, von Großbritannien aus auf den deutschen Markt geliefert werden, wenn es in einer Herde lebte, die BSE-frei war. Dieses Rind hatte BSE und wir hatten die Papiere.

Und das geht nicht gegen Sie – ich bin fassungslos, dass in fünf Jahren nichts, aber auch gar nichts passiert ist.

Sie haben damals ein Importstop im Alleingang durchgesetzt. Seehofer hat Sie damals fast gekillt. Der Skandal zeiht sich durch alle Parteien. Und mir braucht wirklich – und das regt mich auch auf und darum sitze ich heute Abend auch hier – mir braucht keiner zu erzählen , das haben wir nicht gewusst oder die Bauern sind schuld. Das ist bloße Vertuschung. Entweder ist jemand in einem Ministerium so blöd, dass er seinen Schreibtisch nicht bestellt.

  • Ich kann ja im Internet komplette Dokumentationen über BSE finden
  • Ich kann mich mit 1000 Wissenschaftlern unterhalten, die Nachweise erbracht haben, auch bei der Übertragung auf über 20 Tierarten
  • Ich kann, ich kann, wenn ich will! Und in den Ministerien sind x-Referenten. Ich kann als Ministerin nicht hingehen und sagen, ich hab diese Vorlage nicht gesehen. So niedlich ist das nicht.
  • Entweder ich bin (als Ministerin) zu blöd für den Job, oder ich habe keine Lust, ihn auszuführen und beschäftige mich mit anderen Aufgaben oder ich bin fremdgesteuert.

Und es tut mir leid, ich kann in dieser Stunde keine andere Erklärung finden. Ich finde (die Situation) ernst und ich find´s auch als Mutter fassungslos. Und deswegen sitze ich auch heute Abend hier. Aber nicht nur für meine Kinder, sondern für viele Menschen. Mein vierjähriger Sohn steht im Supermarkt und ist ein leidenschaftlicher, ich sag jetzt mal "Fleischfresser" und sagt: "Mami, ich hätte doch so gerne ein Würstchen, aber wir dürfen ja keins (essen). Da ist ja BSE drin." Und da frage ich mich, was ist das für eine Welt, wo ist die Moral. Worte wie Sonne, Mond und Sterne, Papa und Mama sind normal. Wenn aber (Worte wie) BSE aus dem Mund von vierjährigen Kindern kommen, dann haben Sie alle versagt. Dann brauchen Sie nicht noch auf die Bauern zu prügeln.

Sie haben alle versagt, egal von welcher Partei, außer Frau Höhn. Und ich bin jetzt keine Grüne, ordnen Sie mich da auch nicht ein. Sie haben alle ihre Aufgaben nicht gemacht. In jeder anderen Firma würdest Du rausgeschmissen werden. In jeder anderen Firma bekämst du keine Abfindung und in jeder anderen Firma würdest Du zur Verantwortung gezogen. Da wurde wider besseren Wissens gehandelt. Und jetzt soll keiner sagen, er hätte nichts gewusst. Und jemand der besseren Wissens die Volksgesundheit gefährdet und das ist nicht Polemisierung, das ist nackte Tatsache, der ist für mich in meinen Augen ein Verbrecher – entschuldigen Sie – deutliche Worte."

(zum besseren Verständnis des Diskussionsbeitrages wurden von der Redaktion in Klammern verbindende Worte eingefügt)

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