Neue Medizin
[Rückgrad]

Pharmaunternehmen "täuschen" Wissenschaftsmagazine

Hinweis:
Wissenschaftliche Publikationen weltweit nur noch über 6 Verlage!!
Die Konzentration der Macht bzw. Globalisierung findet auch hier statt.
Was „wissenschaftlich“ ist bzw. was veröffentlicht wird, wird in nur wenigen Gremien entschieden.
Einer Manipulation zu Gunsten einer profitorientierten Wissenschaft sind Tür und Tor geöffnet

[dpa] - Wissenschaftliche Fachzeitschriften wollen in Zukunft verstärkt auf die Unabhängigkeit der Forschung achten. Grund ist die zunehmende Einflussnahme von Sponsoren wissenschaftlicher Studien.

Besorgnis bei den Herausgebern des «British Medical Journal». Die Macher der angesehenen Fachzeitschrift sehen durch von Pharma-Unternehmen gesponserte Studien die Freiheit der Wissenschaft – und vor allem die Verlässlichkeit der veröffentlichten Ergebnisse – gefährdet.

«Wir Herausgeber sorgen uns, dass wir manchmal Studien publizieren, bei denen die Autoren gar nicht am Konzept der Studie beteiligt waren, keinen Zugang zu den Rohdaten hatten und wenig zu tun hatten mit der Interpretation der Daten», schreiben sie am Montag in einer Mitteilung. Oft seien die Sponsoren der Studie, meist Pharmafirmen, die eigentlichen Autoren. Leser und Herausgeber würden so «getäuscht».

Neue strengere Veröffentlichungsregeln sollen in Zukunft dieses Problem bekämpfen. Die Zeitschriften, die sich im International Commitee of Medical Journal Editors zusammengeschlossen haben, wollen in Zukunft sämtliche Details der Zusammenarbeit zwischen den offiziellen Autoren der Studien, den Auftraggebern und Sponsoren erfragen. Die Wissenschaftler müssen ein «Statement of Responsibility» unterzeichen, in dem sie die volle Verantwortung für den Inhalt der Publikation übernehmen und versichern, dass sie uneingeschränkten Zugang zu allen Daten hatten. Die Entscheidung, die Ergebnisse zu publizieren, müssen sie selber getroffen haben. «Wenn Autoren uns hinsichtlich dieser Punkte nicht überzeugen können, werden wir nicht veröffentlichen», so die Herausgeber des «BMJ» in ihrer am Montag veröffentlichten Stellungnahme.

Nachgewiesene Einflussnahme
In der Vergangenheit hatte es bereits mehrere nachgewiesene Fälle von unerlaubter Einflussnahme gegeben. Die Firma Boots/Knoll etwa hatte eine Studie zurückgehalten, bei der eines ihrer Produkte nicht besser wegkam als die Medikamente der Konkurrenz. Im «Journal of the American Medical Association» erschien 1997 ein Artikel, in dem die Autoren davon ausgingen, dass bis zu einem Fünftel der medizinischen Studien aus ähnlichen Gründen nicht oder verzögert veröffentlicht werden.

Judith Costede, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Ombudsmann der Deutschen Forschungsgemeinschaft, glaubt, dass neben neuen Veröffentlichungskriterien vor allem selbst auferlegte ethische Grundsätze das Problem der Einflussnahme durch Dritte bekämpfen könnten: «Wissenschaftler müssen das, was sie tun, zunächst mal mit sich selber vereinbaren können.» In Deutschland sei das Problem zwar bekannt, die DFG habe sich allerdings noch nicht konkret damit beschäftigt.

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