|
Neue
Medizin
[Beweisführung]
200.000 Patienten mit Kalziumantagonisten umgebracht?
ARD Sendung FAKT vom 20, 8. 2001,
Wortlaut unter http://www.mdr.de/fakt
Eine
Ärztetagung in Freiburg im Januar ´99: Ein Klinikarzt
versucht, die Kollegen wachzurütteln.
"Wenn
ich böswillig wäre, was ich nicht bin, könnte ich
ausrechnen, dass über
200 000 Menschen im Laufe der letzten 20 Jahre - dass wir die umgebracht
haben mit Kalzium-Antagonisten, mit Diabetes - ungefähr!"
Dr.
Eberhard Jennen
Oberarzt (Kardiologe)
"Das war ein Kalzium-Antagon, und der ist deshalb gefährlich,
weil beim Diabetiker in Verbindung mit Herzerkrankungen dadurch
mehr Schlaganfälle und mehr Herzinfarkte auftreten können
als bei bewährten Präparaten. Der Kalzium-Antagonist ist,
was dieses Auftreten solcher Erscheinungen angeht, gar nicht gut
untersucht! Es gibt bessere Präparate mit ausgiebigen Untersuchungen!"
In
den Apotheken gingen im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Packungen
Kalzium-Antagonisten über den Ladentisch. Und das, obwohl
es bislang keine einzige Studie gibt, die eine Überlegenheit
dieser Präparate gegenüber den älteren und in Langzeitstudien
gut untersuchten Medikamenten gibt. Jahrelang tobte um die
Kalzium-Antagonisten ein erbitterter Streit. Vor allem über
die Verschreibung für Diabetiker. Kleinere Studien hatten katastrophale
Ergebnisse erbracht.
Die
Station A2 der Inneren Abteilung des Kölner St. Franziskus
Krankenhauses am vergangenen Freitag. Zweieinhalb Jahre später
hat sich in den Augen von Chefarzt Peter Sawicki nichts geändert.
Die Werbung der Pharmaindustrie sorgt nach wie vor dafür, dass
Ärzte neu auf den Markt drängende Präparate verschreiben
- zu Lasten älterer, bewährter Medikamente, für die
es zahlreiche Langzeitstudien gibt. Auch diese Patientin bekam gegen
den Bluthochdruck ein in seiner Langzeitwirkung unerforschtes Medikament.
Prof.
Peter T. Sawicki
Chefarzt
"Kalzium-Antagonisten, RT-II-Blocker, Lipobay - das Spiel wird
immer weiter gehen. Wir werden in unserem System, wenn sich nichts
ändert, immer wieder neue Präparate auf den Markt kriegen,
die dann schlecht untersucht sind, unter Umständen potentiell
gefährlich, unter Umständen nicht wirksam. Aber was sicher
ist: Sie werden sicher teuer werden!"
Nach
Ablauf von zehn Jahren verlieren Arzneimittel ihren Patentschutz.
Dann darf jede Firma Arzneien mit demselben Wirkstoff herstellen,
die Gewinnmargen sinken rapide. Deshalb sind die Pharmakonzerne
daran interessiert, möglichst häufig neue Präparate
herauszubringen.
Prof.
Schönhöfer
Pharmakologe
"Die pharmazeutische Industrie drückt jedes Jahr 150 bis
300 Innovationen in den Markt. Diese Innovationen sind teuer, aber
sie bringen nichts für die Therapie am Patienten. Denn wenn
wir es genau betrachten, haben wir alle zwei Jahre eine echte Neuheit,
also einen Fortschritt. Alles andere sind so genannte Pseudoinnovationen,
also Innovationen, die die Therapie verteuern, aber nicht verbessern.
Innovationen, die mit unbekannteren Wirkstoffen durchgeführt
werden, deren Sicherheit wir nicht kennen. Und deshalb sind diese
Pseudoinnovationen im Prinzip eine Bedrohung der medizinischen Versorgung!"
Medikamente,
deren Langzeitwirkung nicht gesichert ist, sind ein Spiel mit dem
Feuer. Beispiel: Die Verabreichung von Hormonpräparaten an
Frauen in den Wechseljahren. Viele Frauenärzte sind der Ansicht,
jede Frau müsste diese erhalten, ob sie nun Beschwerden hat
oder nicht. Millionen Frauen nehmen die Hormone bereits. Auch Erika
Fernsebner hat sie jahrelang bekommen, zur Vorbeugung gegen Osteoporose
und Herzinfarkt. Dann die Diagnose: Brustkrebs.
Alle
Arzneimittel jedoch haben Nebenwirkungen. Immer ist es Sache des
Arztes, Nutzen und Risiko abzuwägen. Eine Studie des Bremer
Instituts für Klinische Pharmakologie ergibt, hochgerechnet
auf die gesamte Bundesrepublik, mehr als 200 000 schwere Nebenwirkungen
jährlich. Davon sind 70 000 lebensbedrohlich. Insgesamt sterben
in Deutschland 16 000 an den Nebenwirkungen von Medikamenten.
zurück
zur Übersicht
|