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Neue
Medizin
[Beweisführung]
Plasmin-induzierte Proteolyse und die Bedeutung von
Apoprotein(a),
Lysin und synthetischer Lysin-Analoga
Übersetzung
Eglisch-Deutsch
(Gerd
Ernst Zesar - Michel Körner mit Verweis auf
http://www.drrath.com)
Matthias Rath und Linus Pauling
Zusammenfassung
Der proteolytische Abbau der extrazellulären Matrix durch die
Protease Plasmin ist ein allgemeiner Mechanismus, der für Gesundheit
und Krankheit des Menschen von entscheidender Bedeutung ist. Unter
physiologischen Bedingungen steht die plasmininduzierte Proteolyse
in Zusammenhang mit der Zellmigration ebenso wie mit der Organumbildung.
Unter pathologischen Bedingungen entgleist dieser Mechanismus und
fährt zu einem anhaltenden Abbau der extrazellulären Matrix.
Die plasmin-induzierte Proteolyse ist ein wichtiger Pathomechanismus,
nicht nur für das Krebswachstum und virale Prozesse, sondern
auch für die koronare Herzerkrankung und die meisten anderen
Erkrankungen. Die Entgleisung dieses Prozesses ist charakterisiert
durch ein chronisches Ungleichgewicht zwischen Aktivatoren und Inhibitoren
diese proteolytischen Stoffwechselweges. Eine optimale Verfügbarkeit
endogener und exogener Inhibitoren der Plasmin-induzierten Proteolyse
ist ein wichtiges physiologisches und therapeutisches Ziel. Wir
behaupteten kürzlich, daß Apoprotein(a) als ein endogener
Inhibitor der Plasmin-induzierten Proteolyse fungiert. Wir behaupten
jetzt, daß diese Funktion des Apoprotein(a) auch ein wichtiger
mitbestimmender Faktor für den Evolutionsvorteil dieses Moleküls
ist. Die Funktion von Apoprotein(a) kann die einzigartige Struktur
des Apoprotein(a)-Moleküls erklären, und den selektiven
Vorteil des Plasminogen Kringel IV im Vergleich zu den anderen Plasminogen-Kringel-Strukturen.
Wir behaupteten auch, daß die Wirksamkeit von Apoprotein(a)
als Inhibitor der Plasmin-induzierten Proteolyse von einer optimalen
Anzahl von Kringel-Wiederholungen abhängt. Dies könnte
nicht nur die inverse Beziehung von Kringel-Wiederholungen zur Syntheserate
von Apoprotein(a)Molekülen erklären, sondern auch die
bemerkenswert hohe genetische Variabilität der individuellen
Plasma-Lipoprotein (a) Spiegel. Zu den exogenen Inhibitoren der
plasmin-induzierten Proteolyse zählen die essentielle Aminosäure
Lysin und synthetische Lysin-Analoga wie z.B. Tranexamsäure.
Die diätetische oder therapeutische Zufuhr dieser Inhibitoren
könnte zu einer effektiven Kontrolle des proteolytischen Abbaus
von Bindegewebe durch Plasmin führen. Umfassende klinische
Bestätigung könnte die therapeutischen Optionen signifikant
verbessern, insbesondere für fortgeschrittene Stadien des Krebses,
Infektionserkrankungen incl. AIDS, kardiovaskuläre Leiden und
viele andere Erkrankungen.
Über
die Bedeutung von Apoprotein (a), Lysin und synthetischen Lysin-Analoga
Einleitung
In den letzten Jahren war die internationale Forschungsgemeinschaft
immer stärker fasziniert von einem einzigartigen Protein im
menschlichen Körper, dem Apoprotein(a). In den drei Jahrzehnten
seit seiner Entdeckung wurden primär die schädlichen Effekte
auf die menschliche Gesundheit diskutiert, insbesondere auf die
koronare Herzerkrankung. Wir akzeptierten nicht, daß Apoprotein(a)
nur negative Eigenschaften haben könnte. Gemäß den
Gesetzmässigkeiten der Evolution muß Apoprotein(a) Vorteile
besitzen, die über seine Nachteile hinausgehen. Wir entdeckten,
daß Apoprotein(a) unter physiologischen Bedingungen als adhäsives
Protein fungiert, welches Organdifferenzierung und Wachstum vermittelt.
Unter pathologischen Bedingungen ersetzt Apoprotein(a) primär
das Askorbatdefizit und erhöht die Gewebestabilität, indem
es den geschwächten Kollagenmetabolismus kompensiert und Gewebe-Repair-Mechanismen
fördert. Mehr noch. Wir behaupteten, daß Apoprotein(a)
als Inhibitor wichtiger Pathomechanismen fungiert, welche mit der
Proliferation vieler Erkrankungen zusammenhängen. Diese Pathomechanismen
werden durch Askorbatmangel gefördert. Einer dieser allgemeinen
Pathomechanismen ist der schädigende Effekt freier Sauerstoffradikale,
der durch die antioxidative Funktion des Apoprotein(a) als Proteinthiol
vermindert wird. Apoprotein(a) ließ uns auch die allgemeine
Bedeutung eines anderen Pathomechanismus erkennen: die des enzymatischen
Abbaus von Bindegewebe durch die Protease Plasmin.
Wir
behaupteten kürzlich, daß Apoprotein(a) aufgrund seiner
Homologie zu Plasminogen als kompetitiver Inhibitor der plasmin-induzierten
Proteolyse fungiert. In dieser Veröffentlichung beschreiben
wir den allgemeinen Charakter dieses Mechanismus und die Rolle des
Apoprotein(a) in näheren Einzelheiten. Die Plasmin-induzierte
Proteolyse wurde als ein Pathomechanismus für einige Erkrankungen
beschrieben, z.B. Krebs und bestimmte Viruserkrankungen. Bei der
koronaren Herzerkrankung erzielte dieser Mechanismus jedoch wenig
Aufmerksamkeit. Das mangelhafte Verständnis dieses allgemeinen
Pathemechanismus wird weiterhin unterstrichen durch das Fehlen einer
breiten therapeutischen ' Anwendung von L-Lysin und seiner synthetischen
Analoga, die exogene Inhibitoren dieses Stoffwechselweges sind.
Diese Wissenslücke hat nachteilige Konsequenzen für die
menschliche Gesundheit, und hindert Millionen Patienten daran, eine
optimale Behandlung zu bekommen. Es ist das Ziel dieser Veröffentlichung,
diese Lücke zu schließen, und eine rationale Grundlage
für eine breite Einführung von Lysin und seinen synthetischen
Analoga in der klinischen Therapie zu schaffen.
Plasmin-induzierte
Proteolyse unter physiologischen Bedingungen
Die Plasmin-induzierte Proteolyse ist ein physiologischer Mechanismus,
der überall im menschlichen Organismus vorkommt. Makrophagen
und andere Zellsysteme nutzen diesen Mechanismus für ihre Wanderung
durch den Körper. Sie sezernieren Plasminogen-Aktivatoren,
die lokal Plasminogen zu Plasmin aktivieren. Dieser Mechanismus
ist besonders wirksam bei hohen Blut- und Gewebekonzentrationen
des Proenzyms Plasminogen, welches ein riesiges Reservoir potentieller
proteolytischer Aktivität darstellt. Die aktivierte Protease
Plasmin wandelt dann Prokollagenase in Kollagenase um, und möglicherweise
aktiviert sie auch andere Enzyme, die zu einem lokalen Abbau des
Bindegewebes führen. Dieser lokale Bindegewebsabbau bahnt den
Weg für die Wanderung der Makrophagen durch den Körper.
Es ist unmittelbar offensichtlich, daß dieser Mechanismus
eine präzise Kontrolle benötigt. Daher sezernieren Makrophagen
auch Hemmsubstanzen wie z.B. Plasmin-Inhibitoren und (x-2-Makroglobulin,
welche fähig sind, Plasmin und viele andere Proteasen zu inaktivieren.
Die
proteolytische Wirkung von Plasmin steht auch mit der zunehmenden
Gefäßpermeabilität im Zusammenhang. Dieser Effekt
ermöglicht die Infiltration von Monozyten und anderen Blutzellen
aus der Gefäßzirkulation in Gewebsbereiche erhöhten
Bedarfs. Die physiologischen Bedingungen, unter denen die Plasmininduzierte
Proteolyse vorkommt, schließt verschiedene Formen der Gewebebildung
und Reorganisation, wie z.B. Neurogenese, Vaskularisation, Gewebereparation
und Wachstum ein.
Von
besonderer Bedeutung ist die plasmininduzierte Proteolyse bei den
weiblichen Geschlechtsorganen. Unter hormoneller Stimulation sezernieren
Brust- und Uteruszellen den Plasminogen-Aktivator und initiieren
dadurch die morphologischen Veränderungen des Organs während
Schwangerschaft und Laktation. Ein besonders treffendes Beispiel
für die Wirksamkeit dieses Mechanismus ist die Ovulation. Das
luteinisierende Hormon (LH) und das Follikel-stimulierende Hormon
(FSH) induzieren die Sekretion von Plasminogen-Aktivatoren aus Granulosazellen.
Der folgende Abbau des ovariellen Gewebes ist eine Voraussetzung
für die Ovulation. In ähnlicher Weise nutzen die Trophoblasten
die plasmininduzierte Proteolyse, um bei der Einbryoeinnistung während
der Frühschwangerschaft in die Uteruswand einzudringen. Unter
all diesen Bedingungen ist die Enzymproduktion vorübergehend
und wird präzise reguliert durch Hormone und andere Kontrollmechanismen.
Plasmin-induzierte
Proteolyse unter pathologischen Bedingungen
Der plasmin-induzierte Gewebeabbau trägt aber auch zum Fortschreiten
der meisten Erkrankungen bei, da ähnliche Mechanismen ebenfalls
von pathogenen Erregern und körpereigenen Abwehrzellen, z.B.
Makrophagen, benutzt werden. Unter pathologischen Bedingungen werden
Makrophagen "aktiviert". Diese Aktivierung spiegelt einen
besonderen Zustand der Alarmbereitschaft wider, der charakterisiert
ist durch eine reichliche Freisetzung sekretorischer Produkte. Zu
diesen Substanzen zählen Sauerstoffmetaboliten, Kollagenasen,
Elastasen und eine signifikant ansteigende Ausscheidung von Plasminogen-Aktivatoren.
Ein Ungleichgewicht in diesem Kontrollsystem führt zu einer
Entgleisung dieses Mechanismus mit nachfolgenden Gewebezerstörungen.
Eine chronische Aktivierung der Makrophagen und Beanspruchung der
Kontrollmechanismen führt möglicherweise zu einem kontinuierlichen
Bindegewebsabbau und beschleunigt das Fortschreiten der Erkrankung.
Es gibt daher Gründe anzunehmen, daß der Plasmininduzierte
Bindegewebsabbau in unterschiedlichem Ausmaß zum Fortschreiten
vieler Erkrankungen beiträgt. In den folgenden Abschnitten
werden wir diesen Pathomechanismus für die meisten wichtigen
Erkrankungen im einzelnen diskutieren.
Krebs
Die maligne Transformation führt bei vielen Zellen des menschlichen
Körpers zu einer unkontrollierten Sekretion von Plasminogen-Aktivatoren
durch diese transformierten Zellen. In dieser Situation ist die
Sekretion von Plasminogen-Aktivatoren kein vorübergehendes
Ereignis, sondern sie wird ein charakteristisches Merkmal der malignen
Transformation. Das Ausmaß der Produktion von Plasminogen-Aktivatoren
ist zwischen 10- und 100fach erhöht und macht dieses Enzym
einzigartig unter den biochemischen Veränderungen, die mit
der onkogenen Transformation im Zusammenhang stehen. Mehr noch,
die Sekretion von Plasminogen-Aktivatoren geschieht unabhängig
von den sie normalerweise auslösenden Mechanismen als ein Ergebnis
der onkogenen Viren und chemischen Karzinogene. Am wichtigsten ist,
daß das Ausmaß der ausgeschütteten Plasminogen-Aktivatoren
im allgemeinen mit dem Ausmaß der Malignität assoziiert
ist. Immunhistologische Studien zeigten, daß die Konzentration
von Plasminogen-Aktivatoren in der Nähe eines Tumors am höchsten
dort ist, wo ein invasives Wachstum erfolgt.
Aufgrund
der bekannten Rolle der plasmin-induzierten Proteolyse in weiblichen
Geschlechtsorganen unter physiologischen Bedingungen ist es nicht
überraschend, daß die Entgleisung dieses Mechanismus
am häufigsten bei Malignomen der weiblichen Geschlechtsorgane
vorkommt. Krebszellen der Brust, des Uterus, der Ovarien und anderer
Organe sezernieren zunehmende Mengen an Plasminogen-Aktivatoren,
die die umgebende extrazelluläre Matrix zerstören und
dadurch den Weg für ein infiltrierendes Wachstum bahnen. Diese
Mechanismen kommen auch beim Prostata-Carzinom vor, einer der häufigsten
männlichen Carzinom-Formen.
Die
plasmin-induzierte Proteolyse ist also ein Kriterium für die
metastatische Ausbreitung des Krebses. Wie oben erwähnt, fördert
Plasmin eine Erhöhung der Gefäßpermeabilität
und ermöglicht dadurch die systemische Streuung der Tumorzellen.
Dieser Pathomechanismus ist natürlich nicht auf die Geschlechtsorgane
begrenzt. Ein plasmin-induzierter Gewebeabbau kommt auch bei Kolon-,
Lungen-, Hautkrebs (Melanom) und vielen anderen Tumoren vor und
läßt vermuten, daß die meisten Krebsarten diesen
Mechanismus für ihr Wachstum nutzen.
Infektiöse
und entzündliche Erkrankungen
Ebenso wie für Zellen mit maligner Umwandlung wurde für
viral transformierte Zellen eine Sekretion von Plasminogen-Aktivatoren
festgestellt. Diese Zellen aktivieren Plasminogen in ihrer Umgebung,
wie z.B. dem Lungengewebe, und ermöglichen dadurch die lokale
Ausbreitung der Infektion. Gleichzeitig erhöht Plasmin die
Permeabilität der lokalen Blutgefäße und fördert
dadurch die systemische Ausbreitung der Infektion. Es gibt Gründe
für die Annahme, daß andere pathogene Partikel diesen
Mechanismus während des Infektionsprozesses auch nutzen.
Plasminogen-Aktivatoren
spielen im allgemeinen eine wichtige Rolle während der Entzündung.
Die Produktion von Plasminogen-Aktivatoren durch Makrophagen und
Granulozyten korreliert eng mit verschiedenen Entzündungsmodulatoren.
Die Sekretion des Enzyms wird stimuliert durch Asbest, Lymphokine
und Interferon und gehemmt durch antientzündliche Substanzen
wie z.B. Glucocorticoide. Die Plasmin-induziette Proteolyse ist
für Patienten mit einer Vielzahl von entzündlichen Erkrankungen
beschrieben worden, inklusive der chronisch-rheumatischen Arthritis,
allergischen Vaskulitis, chronisch-entzündlichen Darmerkrankung,
chronischer Sinusitis, multipler Sklerose u.v.a. Der plasmin-induzierte
Gewebeabbau ist daher ein wesentlicher Pathomechanismus bei chronisch-entzündlichen
Erkrankungen.
Koronare
Herzerkrankung
Aktivierte Makrophagen spielen eine bedeutende Rolle bei der Pathogenese
der koronaren Herzerkrankung. Sind sie einmal aktiviert, entsteht
eine vielen anderen Erkrankungen ähnliche Kaskade von Ereignissen:
ansteigende Sekretion von Plasminogen-Aktivatoren, Aktivierung der
Prokollagenase durch die Protease Plasmin und Abbau von Bindegewebe
in der Gefäßwand. Gleichzeitig erhöht Plasmin die
Durchlässigkeit der Gefäßwand und führt auf
diese Weise zu einem weiteren Anstieg von Monozyten und anderen
Plasmabestandteilen. Das Andauern dieser Pathomechanismen trägt
zur Entwicklung atherosklerotischer Läsionen bei. Dieser Mechanismus
ist besonders wirksam, wenn die Gefäßwand schon durch
Vitamin C-Mangel destabilisiert ist. Wie früher im Detail beschrieben,
wird diese Instabilität zuerst an Stellen veränderter
Hämodynamik sichtbar, so z.B. an den Verzweigungsstellen der
Koronararterien. Es ist daher nicht überraschend,
daß
zunehmende Mengen von Plasminogen-Aktivatoren in diesen Verzweigungsstellen
menschlicher Arterien gefunden werden. Darüber hinaus haben
atherosklerotische Läsionen im allgemeinen signifikant höhere
Mengen an Plasminogen-Aktivatoren als normale Arterienwände.
Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß diese frühen
Beobachtungen nicht systematisch verfolgt worden sind. Diese Nachlässigkeit
läßt vermuten, daß der allgemeine Charakter der
unkontrollierten plasmin-induzierten Proteolyse für das Fortschreiten
von Krankheitsprozessen noch nicht ganz verstanden worden ist.
Apoprotein(a)
- ein Inhibitor der Plasmin-induzierten Proteolyse
Bei der Identifizierung der allgemeinen Bedeutung der Plasmin-induzierten
Proteolyse für die meisten Erkrankungen gingen wir wieder vom
Apoprotein(a) und seinem zunehmenden Bedarf aus, der sich in steigenden
Plasmakonzentrationen unter vielen pathologischen Bedingungen widerspiegelte.
Wie oben erwähnt übt Apoprotein(a) eine Vielzahl von Funktionen
unter physiologischen und pathologischen Bedingungen aus. Hier beschränken
wir uns auf die Rolle von Apoprotein(a) als einem endogenen kompetitiven
Hemmstoff der plasmin-induzierten Proteolyse und des Gewebeabbaus.
Apoprotein(a)
ist ein Glykoprotein mit einer einzigartigen Struktur. Es ist zusammengesetzt
aus einer sich wiederholenden Sequenz von Kringel-Strukturen, die
hochhomolog sind zu Kringel IV des Plasminogen-Moleküls.
Das
Gen für Apoprotein(a) ist in direkter Nähe zum Plasminogen-Gen
auf Chromosom 6 lokalisiert. Es ist behauptet worden, daß
das Apoprotein(a)-Molekül vom Plasminogen-Molekül abstammt
oder daß die zwei Gene sich ein gemeinsames Stamm-Gen teilen.
Bis heute gibt es noch keine Erklärung dafür, weshalb
unter den 5 Kringelstrukturen des Plasminogens es Kringel IV ist,
welcher von der Natur dafür ausgewählt worden ist, das
Apoprotein(a)-Molekül zu bilden. Wir akzeptieren nicht, daß
dieser selektive Vorteil von Kringel IV ein Zufall ist. Wir behaupten,
daß letztlich einer der Gründe für die Wiederholung
von Kringel IV im Apoprotein(a) in engem Zusammenhang mit der Struktur
und Funktion von Kringel IV im Plasminogen-Molekül steht.
Wir
haben Grund zu der Annahme, daß Apoprotein(a) kraft seiner
multiplen Kringel IV-Strukturen ein kompetitiver Inhibitor der plasmin-induzierten
Proteolyse ist. Apoprotein(a) könnte an der Kontrolle dieses
Stoffwechselweges beteiligt sein, ohne in die anderen Funktionen
des Plasminogens, die durch die anderen Kringel vermittelt werden,
einzugreifen, und je mehr Kringel IV - Wiederholungen ein Apoprotein(a)-Molekül
besitzt, desto effektiver wäre diese Apoprotein(a)Isoform als
Inhibitor. Dieses Konzept könnte nicht nur den selektiven Vorteil
von Kringel IV gegenüber den anderen Kringel-Strukturen des
Plasminogens erklären. Es läßt auch einen optimalen
Bereich für die Anzahl von Kringel-Wiederholungen vermuten.
Auf
diese Weise könnte dieses Konzept die umgekehrte Beziehung
zwischen der Anzahl intramolekularer Kringel-Wiederholungen und
der Syntheserate von Apoprotein(a)-Molekülen und dadurch die
große Variation der genetisch determinierten Plasma-Lipoprotein
(a)-Konzentrationen erklären.
Ein
zusätzlicher Beweis für die Rolle des Apoprotein(a) bei
der Kontrolle der Plasmin-induzierten Proteolyse ist durch eine
Anzahl weiterer Beobachtungen gegeben. Es konnte gezeigt werden,
daß Apoprotein(a) die Gewebe- Plasminogen-Aktivator-induzierte
Fibrinolyse abschwächt und kompetitiv in Plasminogen und Plasmin-induzierte
Stoffwechselwege eingreift. Darüber hinaus zeigten immunhistologische
Studien bei verschiedenen Erkrankungen eine bevorzugte Ablagerung
von Apoprotein(a) an Stellen zunehmenden Bedarfs für die Kontrolle
der Plasmin-induzierten Proteolyse. Bei mehreren hundert Gefäßproben,
die verschiedene Stadien der kardiovaskulären Erkrankung repräsentierten,
war Apoprotein(a) primär im Subendothel lokalisiert und wirkte
dort möglicherweise der anwachsenden Endothelpermabilität
entgegen.
In
fortgeschrittenen atherosklerotischen Läsionen wurde Apoprotein(a)
vorwiegend rund um den Kern der Läsion, insbesondere an den
Ecken der Läsion, den hauptsächlichen Stellen chronischer
Repair-Prozesse, gefunden. In einer umfassenden morphologischen
Studie wurde gezeigt, daß Apoprotein(a) bei verschiedenen
Krebsformen in der Nähe des Krebsprozesses abgelagert wird
(Dr. A. Niendorf, Personal Communication). Beide Studien wurden
mit denselben monoklonalen Antikörpern, die nicht mit Plasminogen
kreuzreagierten, durchgeführt. Es ist auch ein vorläufiger
Bericht verfügbar über die Ablagerung von Apoprotein(a)
im Mikrogefäßbereich bei entzündlichen Prozessen.
Wir glauben, daß Apoprotein(a) eine wesentliche Rolle bei
der Eindämmung von Infektionen inklusive AIDS spielen wird.
Die Bedeutung von Apoprotein(a) als kompetitiver Inhibitor der plasmin-induzierten
Proteolyse ist nicht auf pathologische Situationen begrenzt. Ein
zunehmender Bedarf von Apoprotein(a) wird auch beobachtet während
der Periode der Uterusumbildung in der Frühschwangerschaft.
Insgesamt
ist anzunehmen, daß Apoprotein(a) ein bedeutendes Element
im endogene Kontrollsystem der Plasmininduzierten Proteolyse darstellt.
Apoprotein(a) stärkt Antiplasmin und andere endogene Inhibitoren
dieses Stoffwechselweges, insbesondere während einer chronischen
Aktivierung. Neben den endogenen Inhibitoren gibt es auch exogene
Inhibitoren. Die allgemeine Bedeutung der hier beschriebenen Pathomechanismen
zeigt unmittelbar den großen Stellenwert dieser exogenen Hemmsubstanzen
bei der Therapie vieler Erkrankungen.
Die
therapeutische Anwendung von Lysin und synthetischen Lysin-Analoga
Lysin, eine essentielle Aminosäure, ist der wichtigste natürlich
vorkommende Inhibitor dieses Stoffwechselweges. Lysin kann die plasmin-induzierte
Proteolyse hemmen, indem es die Lysinbindungsstellen im Plasminogen-Molekül
besetzt. Da Lysin eine essentielle Aminosäure ist, wird ihre
Verfügbarkeit nicht endogen reguliert. Eine unzureichende Zufuhr
von Lysin mit der Nahrung führt zu einem Mangel und schwächt
dadurch die natürliche Abwehr gegen diesen Pathomechanismus.
Zusätzlich fährt eine chronische Aktivierung von Plasminogen
durch Krebszellen, viral transformierte Zellen oder Makrophagen
zu einem zusätzlichen relativen Lysin-Defizit und dadurch zu
einer Verstärkung der zugrundeliegenden Erkrankung. Die therapeutische
Bedeutung von Lysin ist für eine Vielzahl von Erkrankungen
dokumentiert worden inklusive Viruserkrankungen, und kürzlich
in Kombination mit Askorbat für die koronare Herzerkrankung.
Synthetische
Lysin-Analoga, wie z.B. F-Aminocapron-Säure, para-Aminomethylbenzoe-Säure
und trans-Aminocyclohexan-Säure (Tranexamsäure), sind
potente Inhibitoren der Plasmin-induzierten Proteolyse. Diese Substanzen,
insbesondere Tranexamsäure, sind erfolgreich zur Behandlung
einer Vielzahl von Erkrankungen genutzt worden, wie z.B. Angiohämatom,
Colitis ulcerosa u.a. Die bemerkenswertesten Resultate wurden bei
der Behandlung von Patienten mit Brust und Ovarialkrebs im Spätstadium
und auch Krebs anderen Ursprungs festgestellt. Wir haben kürzlich
die therapeutische Anwendung synthetischer Lysin-Analoga zur Reduktion
atherosklerotischer Plaques vorgeschlagen.
Auf
der Basis dieser Arbeit, die hier vorgestellt wird, könnten
umfassende klinische Studien eingeleitet werden, um die Bedeutung
von Lysin zur Prävention und nebenwirkungsfreien Behandlung
von unterschiedlichen Erkrankungen zu etablieren. Es ist beschrieben
worden, daß eine tägliche Zufuhr von 5 g Lysin und mehr
keine Nebeneffekte hat. Auf der Basis der ermutigenden therapeutischen
Resultate mit Tranexamsäure, insbesondere bei der Hemmung und
Reduzierung von Krebs im Spätstadium, könnten dieses Substanzen
jetzt umfassend für eine breite Einführung in der klinischen
Therapie getestet werden, insbesondere für fortgeschrittene
Stadien des Krebses, der koronaren Herzerkrankung und AIDS.
Eine
mögliche Erklärung dafür, warum dies nicht schon
lange geschehen ist, könnte das Argument sein, daß diese
Substanzen Komplikationen bei der Blutgerinnung auslösen könnten.
Es handelt sich jedoch um Protease-Inhibitoren, die nicht nur die
Fibrinolyse, sondern auch die Gerinnung hemmen. Tranexamsäure
ist viele Jahre lang ohne klinische Komplikationen angewandt worden.
Wir haben behauptet, daß das Risiko einer hämostatischen
Komplikation weiter reduziert wird durch eine Kombination dieser
Bestandteile mit Askorbat und anderen Vitaminen mit gerinnungshemmenden
Eigenschaften.
Diese
medizinische Überlegung ist jedoch nicht der einzige Grund,
warum diese Substanzen nicht viel häufiger benutzt werden,
und Tausenden von Patienten die optimale Therapie noch vorenthalten
wird. Es gibt auch einen ökonomischen Faktor. Patentschutz
ist ein führendes Prinzip jeder pharmazeutischen Gesellschaft
bei der Entwicklung und Vermarktung eines Pharmakons. Lysin ist
- wie viele andere Nährstoffe - nicht patentierbar und die
Patente für die klinisch anerkannten synthetischen Lysin-Analoga
inclusive der Tranexamsäure sind abgelaufen. Die Vernachlässigung
dieser Substanzen ist damit vom ökonomischen Standpunkt aus
erklärbar. Aus der Perspektive der menschlichen Gesundheit
gibt es keine Rechtfertigung für diese Verzögerung.
Schlußfolgerung
Wir haben hier die plasmin-induzierte Proteolyse als einen universellen
Pathomechanismus beschrieben, der zur Ausbreitung von Krebs, kardiovaskulärer,
entzündlicher und vieler anderer Erkrankungen beiträgt.
Der plasmin-induzierte Gewebeabbau unter pathologischen Bedingungen
ist eine Entgleisung der physiologischen Mechanismen. Apoprotein(a)
fungiert als ein kompetitiver endogener lnhibitor dieses Stoffwechselweges.
Auf der Basis des selektiven Vorteils von Apoprotein(a) in der Evolution
des Menschen ist es nicht überraschend, daß uns Apoprotein(a)
zu einem Weg führen könnte, die allgemeine Bedeutung dieses
Pathomechanismus zu erkennen. Weitere klinische Bestätigung
des therapeutischen Wertes von Lysin und seiner synthetischen Analoga
kann neue Optionen für eine effektive Therapie für Millionen
Menschen schaffen. Wir sind davon überzeugt, daß der
Gebrauch von Lysin und synthetischer Lysin-Analoga insbesondere
in Kombination mit Vitamin C zu einem Durchbruch bei der Kontrolle
vieler Formen des Krebses und Infektionen inclusive AIDS sowie vieler
anderer Erkrankungen führen wird.
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