Umwelt und Zeitgeschehen - Umweltgifte

Holzschutzmitteln

Von einer Unzahl von Selbsthilfegruppen wird berichtet, dass alle der berechtigt angestrengten Prozesse über ein Gutachterunwesen und "industriefreundliche" Urteile verloren gehen. Selbsthilfegruppen und Geschädigteninitiativen, wie im Holzschutzmittel-Fall die Interessengemeinschaft der Holzschutzmittelgeschädigten (IHG) betreiben Aufklärung und schaffen Öffentlichkeit.

"Der IHG ist es darüber hinaus gelungen, den Staat und seine Organe, sowie Teile der Ärzteschaft abgrundtief zu beschämen, indem sie die Gesamtproblematik im Detail aufgearbeitet hat: Toxikologische Problematik der Inhaltsstoffe, Beschreibung des Krankheitsbildes, Diagnose- und Therapiehinweise, Ärzte und Anwälte, Ernährungsvorschläge usw. Bei ihr waren die Geschädigten so gut wie überhaupt möglich aufgehoben. Nur entschädigen konnte sie die Opfer nicht und sie konnte auch die Täter nicht bestrafen. Transparenz des Unrechtes. Die Justiz muss schon arg blind sein, wenn sie dahinter keinen Handlungsbedarf erkennt....

Ein Blick nach Italien könnte dabei hilfreich sein. Dort haben entschlossene Staatsanwälte den Kampf gegen die Mafia aufgenommen - und könnten demnächst der Sieger sein. Die Bekämpfung der modernen Kriminalität wie sie in Verbindung mit dem täglichen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt auftritt ist noch aus einem weiteren Grund verzichtbar. Im Sommer 1991 schreibt ein Vater aus einer kleinen Gemeinde in Nordrhein-Westfalen an die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Seine Kinder sind aufgrund schwerer Nerven- und Hirnschäden in einem Heim untergebracht worden, seine Frau und er selbst schwer erkrankt. Die Familie wohnt in einem Haus, indem große Mengen an Holzschutzmitteln verarbeitet worden sind. Am Ende des Briefes heißt es :"Wenn ich nicht wüsste, dass in Frankfurt gegen die Verantwortlichen ermittelt würde, wäre ich schon längst zum Terroristen geworden.

Was wird geschehen, wenn eine junge Generation - vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft - begreift, dass sie ihrer Zukunft beraubt wurde von einem auf Habgier und Rücksichtslosigkeit aufbauendem System, das die gemeinsamen Vorräte verbraucht, die ökologischen Kapazitäten ausreizt, die Altlasten in der Biosphäre bis zur Unbeherrschbarkeit vermehrt hat? Und dies alles unter den Augen der Justiz, die sich - anstatt gegen die für die Ereignisse Verantwortlichen vorzugehen - an Schwarzfahrern und Ladendieben schadlos halten kann. Die Justiz muss ihre Aufgabe ernst nehmen und ihre Arbeit gewissenhaft erledigen. Tut sie es nicht, verliert sie immer mehr an gesellschaftlichem Rückhalt und steht schließlich zur Disposition. Weit ist es bis dahin nicht mehr. Dann nehmen andere die Dinge in die Hand. Der Ausgang dieses Experimentes ist offen. Und vielleicht sind dann die Geschichten um Andreas Bader und Ulrike Meinhoff nur Peanuts".

Prof. Dr. Erich Schöndorf

Von 1977 bis 1996 Staatsanwalt in Frankfurt/Main
von 1983 bis 1985 im Wirtschafts- und Umweltdezernat
von 1986 bis 1996 im reinen Umweltdezernat
seit 1996 Prof. Für Umwelt an der Fachhochschule in Frankfurt/Main
in seinen Buch: von Menschen und Ratten
Verlag die Werkstatt
ISBN 3 - 89533-251-8



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