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So giftig ist der Euro

Spiegel Online - 28. Dezember 2001, 16:04

URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,174754,00.html

Geld stinkt nicht, aber krank machen kann es schon. Das gilt nach neuen Untersuchungen auch für die Euro-Münzen und -Geldscheine. Sie enthalten giftige Chemikalien und Metalle, die Allergiker belasten.
Frankfurt am Main - Viele Ärzte gehören ins Lager der Euro-Skeptiker - aber nicht, weil sie der Mark hinterher trauern oder um die Stabilität des Währungsneulings fürchten. Vielmehr sorgen sie sich die Mediziner, weil in den Euro-Münzen hohe Mengen Nickel enthalten sind.
Schon warnt Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes der Allergologen, im Gespräch mit der Zeitschrift "Ökotest": "Kassierer, Bankangestellte und Personen, die beruflich viel mit Münzgeld in Berührung kommen, haben ein erhöhtes Risiko, eine Nickel-Allergie zu entwickeln."
Die Warnungen des Mediziners bekommen durch eine Untersuchung des Magazins neue Nahrung. Demnach enthalten die 1- und 2-Euro-Münzen nicht nur 25 Prozent Nickel, sondern geben auch bedeutende Mengen davon ab. Ein Labor habe ermittelt, dass die Münzen 50-mal mehr lösbares Nickel enthalten, als zum Beispiel bei Modeschmuck erlaubt seien.

Schäden am Immunsystem befürchtet
Nickelallergiker würden vermutlich mit Rötungen und Juckreiz auf zu häufigen Kontakt mit den Münzen reagieren. Und die Nickelallergie sei immerhin die häufigste Allergie in Deutschland: Bis zu sechs Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen seien allergisch gegen das Metall. Auch Menschen, die noch nicht gegen Nickel allergisch seien, könnten durch zu häufigen Kontakt eine Allergie entwickeln.

Auch die neuen Geldscheine sind nach Ergebnissen der Untersuchung mit gesundheitsgefährdenden Substanzen belastet. In der getesteten 10-Euro-Banknote seien 740 Mikrogramm zinnorganische Verbindungen pro Kilo gefunden worden, schreibt "Ökotest", darunter Tributylzinn, Mono- und Dibutylzinn. Diese Stoffe seien sehr giftig und könnten Immun- und Hormonsystem schädigen.

Handschuhe und andere Vorsichtsmaßnahmen
In den
Geldscheinen wurden die tückischen Stoffe eingesetzt, damit die Farben nicht verblassen. Der Hormonexperte Dietrich Klingmüller aber sagte dem Magazin: "Diese Hormongifte gehören nicht in Geldscheine". Die Textilindustrie habe längst bewiesen, dass es auch unschädliche Chemikalien gibt, um Farben zu stabilisieren.

Die gesundheitlichen Risiken der neuen Währung sind nur schwer zu vermeiden. Mögliche Vorsichtstipps wirken eher hilflos. So sollten Verbraucher darauf achten, die Münzen nicht allzu lang in der Hand zu halten. Kassierer und andere Gruppen mit häufigem Kontakt zu Münzen könnten überlegen, ob sie sich mit Handschuhen gegen die Allergiegefahr wappnen wollen.

Diese Umstände sind seit Jahren bekannt, ohne dass dagegen etwas unternommen wurde, wollten die Politiker nicht "Schaden vom deutschen Volke abwenden"?

 

Nachtrag zu Uni-Bremen:
So giftig ist der EURO!

TBT (Tributylzinn)
gehört zu den giftigsten Verbindungen, die vom Menschen in die Umwelt eingetragen werden. Die hormonschädigende Wirkung auf zahlreiche Meeresorganismen ist nachgewiesen worden und bedroht die Population der betroffenen Arten. TBT wird als das aktive Biozid in Antifouling-Farben für Schiffsanstriche zur Vermeidung des Bewuchses von Organismen (Fouling) eingesetzt. Das TBT wird im Wasser freigesetzt und entfaltet so seine giftige Wirkung. Ein für die Umwelt nachteiliger Effekt stellte sich ein, als bekannt wurde, dass das TBT andere im Wasser lebende Organismen schädigte. Heute ist das TBT nahezu überall in der aquatischen Umwelt zu finden. Es kann in den Kompartimenten Wasser, Sediment und Biota nachgewiesen werden, wobei besonders in Regionen mit intensivem Schiffsverkehr hohe Konzentrationen auftreten können.



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